Remotebetrieb in CW – hier: Contestbetrieb

Ich muss jetzt erstmal ein wenig ausholen, um die Grundsituation zu erläutern, damit man überhaupt versteht, warum, wieso und weshalb ich mir die Dinge so schwer mache, hi.

Also, fangen wir mal an: Bevor wir hier in der Wohnung durch hinzustoßen unseres Kindes zu dritt waren, waren wir nur zu zweit: Meine Frau (DO7VN) und ich. Jeder hatte sein eigenes Büro. Ich hatte in meinem Büro sogar meine Antennenleitungen und meinen Shack. Dann kam das Kind…

… und als das Kind dann da war, war ich mein Büro los, weil das Kind ja auch irgendwie ein eigenes Zimmer bekommen muss. Macht ja auch nix, schließlich kann man auch zu weit ein Büro teilen, weil ich tagsüber ja sowieso im QRL bin und Abends meine Frau dann doch eher im Wohnzimmer sitzt und TV schaut, so dass ich auch problemlos im Büro sitzen konnte zum Funken… achja – hierzu wurden extra die Antennenkabel in das andere Büro gelegt.

Jetzt haben Kinder einen unheimlich leichten Schlaf, kann ich euch sagen! Also war es dann doch wieder nicht so richtig was im Büro abends, da SSB und so dann doch nicht ging.

Die Pandemie führte dann dazu, dass ich im Homeoffice untergebracht wurde und somit eine Ecke im Wohnzimmer zu meinem Büro wurde… leider jetzt mit dem Problem, dass wir die Antennenleitungen nicht wieder verlegt haben, sondern die samt Funkausrüstung immer noch im alten Büro meiner Frau stehen. Was tun? Nun. Ich habe es jetzt nach langem so weit geschafft, dass ich FT8 (ging relativ flott und unkompliziert) und jetzt auch CW aus dem Büro (im Wohnzimmer) über das Funkgerät im eigentlichen Büro der Frau machen kann. Wie habe ich das geschafft?

„Sehr gut!“ – würde jetzt der ein oder andere sagen wollen – aber ich meinte eigentlich das Wie in Form von „auf welchem Weg“ und nicht mit der Frage nach einer Bewertung 🙂

Nun. Ich nutze im XYL-Büro einen Mini-PC, auf dem Windows 10 Professional und AnyDesk läuft, der mir Bild und Ton des PCs übers Netz auf einen beliebigen Rechner, auf dem ebenfalls AnyDesk läuft, bringt. Für FT8 reichte lange nur das Bild aus, da man hier keinen Ton braucht, sondern einfach durch Klick&Run die Sache erledigen kann:

Desktop per AnyDesk im Remote-Zugriff, auf dem gerade FT8 (WSJT-X) läuft

CW ist da schon eine andere Sache. Einerseits hat man das Problem, dass man die Paddles ja doch auf die Ferne nicht bedienen kann – dafür gibt es Abhilfe in Form der Software „CWTYPE„. Andererseits braucht man den Ton ja auch irgendwie… und der liegt aktuell ja auf dem Mike-Eingang vor… CWTYPE ist ein kleines Programm, welches eingegebenen Text (oder auch vorgefertigte Makros von Funktionstasten) über eine definierte Tastleitung an den TX als CW gibt, so dass man die Sendeseite damit recht gut abbilden kann und die Sache zumindest funktioniert. Es ist zwar nicht mehr das individuell gefärbte CW, wie es „handgemacht“ daher kommt, aber um 599 cu -QSOs bzw. Contestbetrieb zu machen (man kann CWTYPE nämlich auch durch z.B. N1MM ersetzen und hat einen Contest-Logger, der auch tastet), reicht es vollkommen aus.

Der Ton ist nur pseudo-schwierig, wenn man sich das Konzept von AnyDesk mal genauer anschaut: AnyDesk leitet auf Wunsch alle Töne weiter, die der Remote-Desktop auf seinem Standard-Audiodevice ausgibt. Man muss also nur schaffen, das Audio vom Mike-Eingang auf den Standard-Audio zu bringen. Auch kein Hexenwerk:

Einstellungen im Punkt „Abhören“ beim Audio-Eingang

In den Einstellungen der Eigenschaften des Mikrofons (oder des entsprechenden Audioeingangs) gibt es den Punkt „Abhören“, wo man zwei Einstellungen vornimmt: Einmal den Haken bei „Dieses Gerät als Wiedergabequelle verwenden“ und dann bei der Wiedergabe von diesem Gerät die Standardausgabe auswählen (in meinem Fall „Speakers (USB Audio Device)“. Dies bewirkt, dass das Audio auf dem Eingang auf dem Ausgang ausgegeben wird (und dann via AnyDesk auf den eigenen PC umgeleitet wird). Somit habe ich auf dem Kopfhörer auch das CW-Signal aus dem Transceiver. Damit ich auch mein ausgesendetes Signal höre, habe ich zusätzlich zur Leitung, die auf mein Audiointerface geht, aus dem Kopfhörerausgang des TRX das Signal über ein Kabel auf einen Eingang des PCs gelegt, und lasse diesen umleiten… damit habe ich auch Feedback über das, was gesendet wird.

Einziger Wehrmutstropfen: es gibt eine gewisse Latenz im Audio – ca 200ms – die man schon merkt, weil gerade im Contest der Gegenüber nicht geduldig genug ist, die Viertelsekunde zu warten, bevor er nachfragt.

Ansonsten eine gute Lösung, die ich die nächsten Tage einmal intensiver austesten werde.

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