Schickt ihr eigentlich noch QSLs?

… also ich meine jetzt so richtige aus Papier. Ich persönliche habe vor einigen Wochen, ob Corona-bedingt kann ich nicht einmal genau sagen, den Beschluss gefasst, Papier-Karten nur noch zu versenden, wenn dies explizit gewünscht ist. Ich habe jetzt noch eine Kiste hier stehen, die regulär versendet werden wird aus „alter Zeit“ und ab da wird Papier nur noch versendet, wenn explizit gewünscht oder eine Papierkarte auch eingeht – was ich ja dann als Sendewunsch einer Karte auslegen kann, zumal dann sehr häufig ein „pse QSL“ drauf stehen dürfte.

Wie sieht das bei euch aus? Wie haltet ihr es mit den Papierkarten? Ich habe über einen sehr großen Zeitraum (für mich, der ja dieses Jahr erst 45 wird) Papierkarten versendet und welche bekommen. Ganze 24(!) Jahre, das ist über die Hälfte meines Lebens. Und was ist mit den Karten passiert bisher? Sie wurden liebevoll im Keller archiviert, wo sie einfach nur Lagerplatz schlucken. Ich persönlich bin jetzt dazu übergegangen eigeninitiativ ausgehend die QSOs erstmal nur elektronisch zu bestätigen – via eQSL und LoTW. Beim LoTW bin ich erst seit 2 Monaten oder sowas registriert. Meine DXCC-Statistik nach dem ersten Synchronisationslauf (und auch aktuell) zeigt mir, dass ich mit dieser Entscheidung keinem Wehtue vermutlich, denn, schauen wir es uns einfach mal an:

Hierbei sind die Zahlen unter Confirmed folgendermaßen zu lesen:

Wie man erkennen kann, sind die meisten DXCC per LoTW bestätigt, erst dann folgen relativ gleichauf die traditionelle QSL und eQSL. Also warum sich noch in vielen vielen Fällen die Mühe machen, Papierkarten zu schreiben, wenn es doch elektronisch inzwischen „State of the Art“ ist. Mal davon abgesehen, dass ich vermutlich mich so wesentlich umweltschonender bewege, als jeden Monat einen Paketdienstleister mit einem Paket nach Baunatal zu schicken.

Ich sage nicht, dass ich den Papierversand gänzlich einstelle, wer eine Papierkarte möchte, wird diese bekommen und zwar schnellstmöglichst! Und wer mir eine schickt, bekommt seine auf dem gleichen Eingangsweg (also Büro via Büro, direkt via direkt) zurück. Es reduziert mir jedoch Kosten und (das darf man nicht vergessen) bei der Anzahl an QSOs, die ich so abliefere, wenn ich jedes QSO mit Karte bestätigen würde, viel viel Arbeitszeit! Denn um 200 Labels auf Karten zu kleben und die Karten noch zu unterschreiben (das habe ich einfach der Form halber bisher immer noch so getan, manche drucken die Unterschrift ja inzwischen drauf), hat mich das jedes mal 2 Stunden mit anschließenden Rückenschmerzen und kribbeln im Daumen durch das Glattreiben der Klebelabels gekostet. Eine Zeit, die ich nun wieder sinnvoller nutzen kann.

Also, wie seht ihr es jetzt eigentlich mit den Papier-QSLs? Eure Ansichten und Meinungen würden mich wirklich sehr interessieren.

2 Kommentare

  1. Diese Umstellung auf das beschriebene „state of the art“ werden wir eines Tages noch bitter bereuen – spätestens dann, wenn die QSL-Collection in Wien feststellen wird, dass seit 202x keine dokumentierten QSOs mehr nachgewiesen werden können. Datenbankeinträge unterliegen der Beliebigkeit – klick, abgehakt, erledigt. Platte kaputt, kein Backup – weg. Aber eine schöne Karte, womöglich noch mit persönlichen Anmerkungen des Absenders über das geführte QSO und die notierten Bedingungen, ist durch nichts zu ersetzen! Ok, bei einer vollautomatisierten FT8-Station, bei der ein QSO eh schon aufgrund der Unpersönlichkeit innerhalb von wenigen Minuten vergessen ist (und wenn nicht, dann nur wegen der seltenen ersten zwei Buchstaben), da mag eine „echte“ QSL wahrlich eine echte Kuriosität darstellen.

    Wenn ich über die Bänder kurbele und auf eine interessante Station stoße, schaue ich online nach, ob der Op der Station Karten verschickt. Wenn nicht, drehe ich weiter – wozu noch schlangefunken? Nur für ein kaum wertschätzendes Kreuzchen im Kästchen „QSL sent“? Wenn ich allerdings ein Kärtchen von dem OM in die Hand bekomme, werde ich mich bei einem Wiederhören daran erinnern und habe gleich einen Gesprächsaufhänger.

    Ich schiebe einmal im Monat Dienst mit dem DL-Rundspruch auf 80 m bei DL0DL und DF0AFZ im Tower in Baunavalley. Und wie ich nach der Sendung im Bestätigungsverkehr feststelle, ist die Nachfrage nach richtigen QSLs nach wie vor ungebrochen groß. Wo ich mir immer denke: Mit DL0DL müssten sich die Leute mittlerweile doch ihre Shacks tapezieren können …

    Im Übrigen ist der Umweltschutz-Aspekt in diesem Zusammenhang ein Schmarrn! Brauchen all die Desktops, Note- und Netbooks, mit denen die QSO-Kreuzchen gesetzt und nicht zuletzt die Serverfarmen, die das ganze Zeug hosten, keinen Strom und enthalten keine hochgiftige Substanzen? Da ist mir all die Pappe, von der jedes einzelne Stück eine Geschichte erzählt und vorläufig nicht auf der Deponie landen wird, tausend Mal lieber! Und das nicht nur der Öko-Bilanz wegen. Dies gilt übrigens für alle ePapers – das ist beileibe nicht ach so umweltfreundlich, wie man früher mal gedacht hat.

    Und nein, mein jährliches QSL-Aufkommen ist relativ beschränkt, und ja, auch ich habe ergänzend ein CloudLog auf einem RasPi 2 laufen, auf dem zeitgleich noch ein MMDVM und eine WSPR-Bake ihren Dienst tun 😉

    73 de Michael DL9LBG // K9LBG

    1. Hallo Michael,

      wenn du einen Blick in mein Log wirfst unter https://cloudlog.dg9vh.de/ oder unter https://www.qrz.com/db/DG9VH#t_logbook (ggf. nochmal auf Logbook klicken), siehst du, dass mein aktueller Betriebsartenfokus tatsächlich eher wieder digital ist. FT8 ist in meiner derzeitigen Situation, die mir hauptsächlich erstmal nur Remote-Betrieb per VNC auf meinen Raspi zulässt, meine Hauptbetriebsart. Und da sehe ich es auch nicht wirklich ein, für mehr oder weniger automatische QSOs, für die ich persönlich nur 3 Mausklicks gemacht hab, Papierkarten auf den Weg zu schicken.

      Ansonsten bin ich ja gerne bereit, wenn jemand eine Papierkarte wünscht, eine zu schicken. Ich fahre nur die Menge massiv zurück, da ich bisher jeden mit ner Karte zugeworfen habe, ob er eine wollte, oder nicht.

      Was die Dauerhaftigkeit von QSL-Karten gegenüber Logeinträgen angeht, weiß ich es aber auch nicht… Papierkarten sind genauso schnell entsorgt, wie Datenbankeinträge. Ein Gang zum Papierkontainer, und der Fall wäre erledigt. Da bekommt auch kein QSL-Museum mit, wenn Papierkarten auf dem Weg vernichtet werden.

      Für mich ist es neben dem Effizienz-Problem auch ein reines logistisches Problem: Ich habe kein Shack in dem Sinne, sondern bin im Büro der XYL mit untergebracht, das betrifft auch Lagerfläche im Schrank. Diese ist durch mich beruflich wie privat aber ebenso genutzt, wie durch’s Hobby und Platz ist endlich. Bedeutet, dass ich für eingehende QSLs jeweils einen Schuhkarton habe, der, wenn er voll ist, im Keller eingelagert wird – kein Zugriff während des QSOs und schon garnicht um mal eben so drüber zu schauen. Das Spiel, was andere so treiben, indem sie QSL-Karten besonderer QSOs in irgendwelche Ordner packen, habe ich gar nicht erst anfangen können eben aus Platzgründen.

      Wie ich bereits schrieb, wer eine Karte wünscht, bekommt gerne und schnellstmöglichst eine 🙂 Da stehe ich zu!

      Was das QSL-Aufkommen angeht: ich habe einen Schuhkarton voll mit Outgoings hier liegen – die sammeln sich seit Corona, weil ich aus anderen Gründen (Risikopatient) im Moment das Thema „Social Distancing“ bestmöglichst praktiziere und unsere OV-Abende aktuell auch eher virtuell stattfinden.

      Ich persönlich sehe es mit sehr gemischten Gefühlen, probiere jetzt aber auch mal diesen Mischweg, wie ich ihn beschrieben habe, der ja die Papier-Karte nicht gänzlich ausschließt – sondern wer eine möchte, mir also sagt, er möchte eine oder mir eine schickt, bekommt diese liebend gerne bestätigt. Ich sehe es nur nicht mehr ein, bei den Papierkarten eine Quote von 40% Rücklauf haben zu wollen. 60% meiner versendeten Karten bleiben unbeantwortet… einige kommen als SK oder „Does not use Service“ zurück, der größte Teil bleibt aber augenscheinlich unbeantwortet oder aber ich erlebe in 20 Jahren die große Antwortwelle…

      73 de Kim
      DG9VH

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