Der Yaesu FT-857D im Praxistest (Contest)

Am vergangenen Wochenende fand wie allseits sicherlich bekannt der SSB-Fieldday auf Kurzwelle statt – ich kündigte ihn ja bereits an. In Diesem Jahr haben wir, bedingt durch personelle Engpässe, uns zu einem Experiment entschlossen, welches im „Praxistest FT-857D“ endete.

Hierzu muss ich sagen, dass ich seit 2005 etwa stolzer Besitzer eines Yaesu FT-857D bin. Da ich diesen TRX bisher nie wirklich im Contest verwendet habe (außer, um über ihn auf 2m oder 70cm die Packet-Radio-Anbindung zum DX-Cluster zu realisieren, doch das zählt hier nicht), war ich sehr darauf gespannt, wie sich dieses Gerät im harten Contest-Gewimmel behaupten kann.

Meine Befürchtung war ja, dass der Empfänger aufgrund des Stationsangebotes und der hohen Feldstärken an einem solchen Wochenende komplett überlastet wäre und gewissermaßen „kollabiert“, sprich, vernünftige Empfangsergebnisse nicht zu erwarten wären. Doch hier sollte ich von einer sehr positiven Seite überrascht werden:

Der Empfänger des FT-857D ist um Klassen besser, als sein Ruf! Selbst auf dem sehr hart umkämpften 40m-Band, auf dem es üblicherweise im Contest immer sehr eng wird und wo sich Stationen überlagern, man kaum 1 kHz voneinander getrennt CQ ruft und wo auch mit Leistungen in der Nachbarschaft nicht gespart wird, habe ich während des Contestes unter dem Rufzeichen DL0IT/p problemlos an einer FD-4 meine CQ-Rufe absetzen können und die antwortenden Stationen alle sauber bedienen können.

Sicherlich ist der Transceiver, was die Bedienung selbst angeht, keine Contest-Maschine: Alleine schon die Tatsache, dass diverse Einstellungen über verschiedenste Menüeinstellungen erst zu erreichen sind und dort vorzunehmen sind, wirft hier für „schnelles Reagieren“ schlechtes Licht auf den TRX. Doch wer das Gerät beherrscht und die Menüeinstellungen kennt, der kommt auch hier recht zügig ans Ziel. Aber dennoch ist es klar: Man braucht den FT-857D hier nicht mit einem FT-1000 zu vergleichen.

Es zeigte sich ganz deutlich, dass es eine Schwäche für den Contest ist, wenn Filtereinstellungen schwieriger zu erreichen sind. Man kann nicht in Sekundenschnelle ein empfangenes Signal per DSP beschneiden, sondern braucht hier schon ein paar Tastendrücke. Andere Transceiver haben hier den klaren Vorteil, dass sie viele Bedienelemente an der Frontseite besitzen, über die blitzschnell die Funktionen erreichbar und einstellbar sind.

Dennoch bin ich von der Zuverlässigkeit und der Empfangsqualität des Gerätes überzeugt. Es gab in den 24 h Dauerbetrieb keinerlei Ausfallerscheinungen oder Probleme mit dem Gerät. Auch die Wärmeentwicklung am Sender hielt sich mit „handwarm“ bei 100 W SSB-Sendeleistung in Grenzen.

Doch nicht nur der Empfänger ist ein Goldstück, auch der Sender selbst hat hier sehr positives Lob einbringen können!

So wurde mir z.B. von sehr vielen Stationen (deren Operator ich größtenteils gar nicht kenne und die selbst sicherlich auch die Personen hinter DL0IT/p nicht kennen) ein sehr sauberes und durchdringendes, angenehm zu hörendes und problemlos zu verstehendes Signal bescheinigt – und das, ohne, dass ich überhaupt danach gefragt hätte! Auch die Bandbreite des Signals, dass wir aussendeten, wäre äußerst diszipliniert gewesen – keinerlei Splatter links und rechts des operativen Geschäfts.

Hier zeigt sich, dass Yaesu im Grunde seit Jahren schon immer für Qualität steht.

Mein Resultat für diesen Contest war: Es war sicherlich nicht der letzte Contest, an dem dieses Gerät beteiligt sein wird.

13 Gedanken zu „Der Yaesu FT-857D im Praxistest (Contest)“

  1. aus diesem Grund hat i57 (www.i57.de) seit Jahren schon beim Intn. Lighthouseweekend den "Grossen" Bruder 897 zahlreich im Einsatz; auch in diesem Jahr konnten weit über 800 QSOs in 24h getätigt werden

  2. Ja, der FT-857D ist schon ein geniales Gerät. Mein Projekt für die nächsten Tage heißt hier: 40 m-Erweiterung, denn: Ich hatte beim Fieldday nur den Bereich bis 7100 zur Verfügung, was mich dazu nötigte, selbst CQ zu rufen, um überhaupt auf 40m irgendwelche Punkte zu sammeln. Die 7-8 Stationen im unteren Segment waren nämlich recht schnell abgefrühstückt.

  3. Kann mich dem Artikel im Großen und Ganzen anschließen. Bei mir ist der TRX für die UKW-Conteste im Einsatz, beide Collinsfilter (500Hz für CW und 2,3KHz für SSB) sind nachgerüstet. Als gute Verbesserung empfand ich das Nachrüsten einer Elektretkapsel im Mikrofon. Die Menüführung ist nicht ganz einfach, bei der Gerätegröße aber unvermeidbar. Ein lustiges Erlebnis aus der Praxis: In einem Contest wurde meine YL gefragt, ob sie auch in CW bestätigen könne. Kein Problem, Taste war dran und die Betriebsart ist auf der Oberseite schnell umgestellt. Dann der Schock! CW-Tempo des OM (also meines) war eingestellt und ich nicht in Reichweite. Ohne das Gerät zu kennen, kaum eine Möglichkeit die Einstellung auf die Schnelle zu finden. So hat meine YL dann wohl ihr schlechtestes CW-QSO aller Zeiten machen müssen…

  4. Hallo Ruben 🙂

    Achja, Collins-Filter nachrüsten wäre auch noch ein Punkt, der auf der Liste steht… ich habe meinen TRX noch im Original-Zustand, wie ich ihn 2005 auf der Hamradio erstanden habe… keinerlei Modifikationen, kein stümperhaftes "Tuning" im Service-Menü (man liest ja bezogen auf den FT-857D sehr viel im Internet über "Optimierungen" in diesem Bereich)… Du kennst ja mein Signal in FM (SSB hatten wir beide bisher ja noch nicht miteinander, aber Siggi hatte mit mir im Mai beim Contest ein QSO…).

    Was die Mikrofonkapsel angeht, wäre das zu überlegen, ob ich mir hier vielleicht auch ein weiteres Mikro mit Elektret-Kapsel dazu besorge.

    Was den Fieldday-Pokal angeht, Ruben, sage ich schon mal "inoffiziell" Congrats 🙂 ich hab zwar am Wochenende Gas gegeben, um nicht ganz nackig da zu stehen, aber es hat nur gereicht, um zumindest von der QSO-Anzahl zwischen DB0FT/p und DB0VN/p zu gelangen 🙂 Aber dennoch hat der Contest mit dem Yaesu sehr viel Spaß gemacht, weil einfach alles ultrazuverlässig und problemlos verlief… echtes "Plug and Play".

  5. Hallo, ich besitze ebenfalls seit kurzer zeit einen Yaesu FT-857D, der 857D hat meinen Icom IC-706 abgelöst, im direkten Vergleich gefällt mir der Empänger des FT-857D um Welten besser, die schaltbaren DSP Filter sowie das 2,3 kHz Collins SSB Filter sorgen für relativ gute Empfangsverhältnisse für ein solches Kompaktgerät.
    In meinem Shack ist leider kein Platz für einen grossen TRX daher fiel die Wahl auf den FT-857D was ich nicht bereue. http://www.dl1ofc.de/Meine-Station/1,000000552356,8,1

    Vy 73 de Daniel DL1OFC

  6. @DL1OFC Daniel:

    Hallo Daniel! Glückwunsch zum FT-857D. Ich persönlich habe meinen inzwischen ja ein wenig erweitert dadurch, dass ich die beiden Filterbänke bestückt habe: Zum einen sitzt auf der Bank 1 der original 300Hz CW-Filter und auf Bank 2 habe ich ein 2.7 kHz Murata-Filter gesetzt, welches dann doch einen wesentlich besseren Klang im SSB-Bereich bietet.

    Ich habe mich für den 2.7 statt des 2.3 kHz-Filter entschieden, weil ich zwischen 2.4 und 2.3 kHz keinen wirklichen Unterschied hören konnte.

  7. Leider wird gelegentlich auf die aufwedige Bedienung
    durch Mehrfachbelegung hingewiesen.Man Kann doch die
    wichtigsten Konfigurationen in Ruhe zuhause machen.
    Im Contest brauche ich QRG,HF-NF Verstärkung und
    selten mehr.
    Hans-Jürgen, DL5HBI

  8. @Hans-Jürgen DL5HBI:

    Hallo Hans-Jürgen,

    im Grunde hast du recht, wenn auch man zugeben muss, dass es für Conteste in der Tat sicherlich aber auch bessere „Maschinen“ gibt. Ein klarer Schwachpunkt beim FT-857D und auch beim 897D sind halt die Empfänger, die, was die Großsignalfestigkeit angeht, nicht unbedingt die Besten sind.

    DA0HQ oder andere große Contest-Stationen werden sicherlich andere Hardware im Einsatz haben.

    Aber wer das Gerät besitzt, darf sich sicher sein, dass er damit auch problemlos in einem Contest im Mittelfeld mitmischen kann.

    So habe ich z.B. beim WAG-Contest als DL0IT mit dem Gerät mitgemacht und wenn man die Claimed-Scores anschaut, wird man feststellen, dass ich bei 330 Stationen in meiner Abrechungsklasse Platz 134 belegt habe, und dass, obwohl ich hauptsächlich nur auf 40m aktiv war und hier überwiegend von deutschen Stationen gearbeitet wurde (weil ich auch nicht die gesamten 24h unterwegs war und bewusst wegen des Sonder-DOKs auch auf den Bändern arbeitete, wo man von deutschen Stationen gearbeitet werden kann).

  9. Hallo Kim,
    ich habe mir auch ein Ft857D gekauft und möchte h ein breiteres Murata – Filter einbauen.
    Wo bekommt man die entsprechenden 3-und 4-poligen Buchsen her ??

    73 Wolf

  10. Der FT-857D tut bei mir seit mindestens 100.000 km Dienst als Mobilstation. Was ich damit an Problemen hatte, hatte ich selbst verschuldet. Auch ich bekomme immer wieder und ungefragt Lob für meine Modulation. Das hängt aber entscheidend an dem 1 F-Kondensator („Power-Cap“), mit dem ich die Betriebsspannung puffere. Dafür kann ich die Station aus der Steckdose im Kofferraum betreiben: Ohne Dynamikkompressor bleibt die *mittlere* Stromaufnahme unter 5 A.

    Die Bedienung ist natürlich umständlich – wie sollte es bei einem so kompakten Gerät auch anders sein? Aber im stationären Betrieb kann man das Problem doch beispielsweise mit Ham Radio Deluxe lösen.

    Was könnte mich dazu bringen, einen Nachfolger zu kaufen?

    – Anschluss für eine getrennte RX-Antenne. Dann könnte ich die Radioantenne anzapfen. Das würde dem Noise-Blanker helfen, der tut sich an einer 50 kHz breiten Antenne eindeutig schwer. Und ich könnte mal über die Bänder drehen, ehe ich anhalte und einen anderen Monoband-Strahler auf’s Dach schraube. Mit meiner 20m-Antenne kann ich im 49m-Band kaum noch einen Rundfunksender ahnen.

    – Antennen-Diversity für FM-Empfang auf 2m und 70 cm. Ich fahre ja mehr Leistung als die Relais und bräuchte deshalb empfangsseitig noch etwas Hilfe, vor allem auf 70 cm. Auf der Autobahn ist auf diesem Band das Flattern doch ganz schön nervig.

  11. @DL4NO:

    Hallo Alexander,

    vielen Dank für deinen Bericht zum FT-897, der ja mit dem FT-857D im Grunde identisch ist, was den elektronischen Inhalt angeht.

    Meine Erfahrungen der letzten Jahre aktiver Nutzung des TRX sind nach wie vor sehr positiv:

    Da ich mich mittlerweile auf das QRP-Geschäft spezialisiert habe, ist gerade hier das Gerät mit einem sehr klaren und sauberen Signal am Start (in CW werde ich immer wieder zur wirklich feinen Signalqualität gelobt – was sich hauptsächlich auf das akustische Daherkommen beziehen wird und weniger auf die Gebeweise, hi).

    Dennoch kann ich mich deinen Wünschen durchaus anschließen und hoffe, dass solche Ideen von den Entwicklern aufgegriffen und in irgendwie gearteter Form in Zukunft in diesem Segment einfließen werden.

  12. Hallo,
    habe gerade o.g. Filter eingebaut, jetzt habe ich wegen Sturmschaden
    vorerst keine vernünftige Sendeantenne zum Testen, trotzdem würde
    die Carrier-Werte schon mal gerne einstellen damit ich wenigstens
    einen groben Wert habe. Kann mir diese jemand nennen ??? Danke.

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